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22.11.2010 Charleston – Boone Hall Plantation

Blick auf den Sonnenaufgang um ca. 7:00 Uhr morgens beim Beantworten von Emails

Um 12.00 Uhr holten wir unseren Mietwagen ab und fuhren zur am Mount Pleasure gelegenen Boone Hall Plantation. Nachdem wir uns passend zur Location jeden Abend Folgen von „Fackeln im Sturm“ ansehen, wollten wir die Drehorte im Original besichtigen.

So stellten wir uns eine typische Südstaten Plantage vor

Bei dem Stichwort „Südstaaten – Plantagen“ denkt wohl fast jeder an herrschaftliche Häuser aus der Zeit des Bürgerkriegs, die aus weitläufigen Anlagen hervorragen. Schon als wir ankamen zog uns die Plantage sofort in ihren Bann. Beeindruckt waren wir vor allem von der Eichenallee, die vor 250 Jahren von Thomas Boone mit Weitsicht gepflanzt wurde. Die Bäume haben 100 Jahre gebraucht um die stattliche Höhe zu erreichen und weitere 100 Jahre um über dem Weg zusammenzuwachsen.

Wer mag schon über diese Allee zur Boone Hall Plantage geritten sein?

Die Bäume sind bewachsen mit Spanish Moss, das wie Lametta von den Zweigen hängt und man fühlt sich mindestens wie im Zauberwald. Kolja machte später im Garten besondere Bekanntschaft mit einem dieser schönen alten Bäume. Beim Klettern hörten wir plötzlich wie er vor sich hin brummelt: „Das ist hier ganz schön steil…“ und rumms, lag er auch schon unten. Ausser einem ordentlichen Schreck (bei den Eltern) und ordentlichen Schrammen (bei Kolja) war weiter nichts passiert und wir sind mal wieder dankbar, dass auf unserer Reise bislang noch kein Arzt von Nöten war.

Direkt am Parkplatz gibt es ein kleines Baumwollfeld und wir waren alle aus dem Häuschen, richtige echte Baumwollpflanzen zu sehen. Wie Watte quillt die Baumwolle aus den Blüten und fühlt sich herrlich weich an.

Baumwollpflücker bei der Arbeit !?

Das Plantagenhaus ist nicht ganz echt historisch, es wurde erst 1937 anstelle des alten „Big House“ (wie die Sklaven das Herrenhaus nannten) gebaut. Die Führung erfolgte stilecht in „Vom Winde verweht“-Verkleidung. Wir durften nur das Erdgeschoß ansehen, da das Obergeschoß von den Eigentümern noch bewohnt wird (wenn sie mal hier sind). Boone Hall Plantation ist eine der wenigen Plantagen, die heute noch bewirtschaftet wird.

Blick von der Terassen des "Cotton House" auf den träge dahinfliessenden Fluß

Um 13.15 Uhr war eine Gullah-Vorführung. Gullah ist der Oberbegriff für die Sprache und Kultur/Nation der Sklaven. Da die Sklaven aus allen Teilen Westafrikas kamen, konnten sie sich weder mit den weißen Herren noch untereinander verständigen. So entstand die Sprache und Kultur Gullah. Auf Boone Hall Plantation lebten die Hausdienersklaven in den kleinen Ziegelsteinhütten. Diese stehen direkt neben der imposanten Auffahrtsallee (Slave Street genannt) und sollten den Reichtum des Plantagenbesitzers unterstreichen. Die Sklaven, die auf den Feldern arbeiteten und niedere Arbeiten verrichteten, lebten weit draußen auf den Feldern in armseligen Hütten, von denen keine mehr steht. Auch ist kein Foto oder Zeichnung davon zu sehen. Das Thema wird weitgehend totgeschwiegen unserem Gefühl nach.

Beeindruckende Gullah Vorführung

Das Ende der Sklaverei ist nun gerade mal 150 Jahre her. Richtig aufgearbeitet wurde das Thema anscheinend nie. So ist es für uns auch schwer verständlich, daß an der Weltpremiere des Films “Vom Winde verweht” 1939 Hattie Mc Daniel (die ein Jahr später für ihre Rolle der Mammy den Oscar erhalten sollte) und alle anderen schwarzen Darsteller  aufgrund der Rassentrennung im Bundesstaat Georgia nicht teilnehmen durften.

Baumwollpflückerin bei der Arbeit

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21.11.2010 Charleston – Nachmittag mit der Heimkehr Hamburg

Wir hatten vor einen Tag „zu Hause“ einzulegen und die Sachen aufzuarbeiten, zu denen wir die letzten Tage, Wochen, Monate nicht gekommen sind. Das klappte soweit auch ganz gut bis Bert von der Heimkehr Hamburg anrief, ob wir nicht Lust hätten, mit ihnen zur Isle of Palms kommen. Die Entscheidung fiel uns nicht schwer. Heute ist Bert und Marlenes letzter Tag bevor sie für zwei Monate nach Hamburg zurückfliegen und wir freuten uns, den letzten Tag mit ihnen zusammen zu verbringen.

Der Weg führte über die neue Arthur Ravenel Jr. Brücke in den Stadtteil Mt. Pleasant. Nach einem kurzen Abstecher in den Baumarkt (Männer!!!) erreichten wir am Nachmittag den wunderschönen Strand. Wir machten einen langen Spaziergang über den breiten langgezogenen Sandstrand. Nach Sonnenuntergang machten wir uns wieder auf den Heimweg und gingen essen im Fleetlanding Restaurant. Es war wiederum ein netter Abend und es ist immer ein bißchen traurig, Abschied nehmen zu müssen. Das gehört zum Fahrtenseglerleben dazu, oder wie Bert meinte: Die Fahrtensegler sind eine große Familie, allerdings mit wechselnden Mitgliedern.

Strandspaziergang im Sonnenuntergang

Abendessen im “Fleet Landing”

Ohne Worte!

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19.11.2010 Charleston – “The Sound of Charleston”19.11.2010 Charleston – “The Sou19.11.2010 Charleston – “The Sou19.11.2010 Charleston – “The Sou

Einige Tage sind wir nun schon in Charleston. Wir haben die Stadt mit unseren Fahrrädern erkundet. Unser Ankerplatz vor der City Marina ist toll. Wir können einen riesigen kostenfreien Dinghy-Anlandesteg (mit Mülltonnen) nutzen und mit dem Rad ist der Weg nach Downtown nicht weit. Manchmal ziehen Delphine am Schiff vorbei und einmal konnten wir sogar vom Dinghy aus einen Delphin in der Marina sehen.

Von der Marina aus fahren wir mit den Rädern den Murray Blvd. entlang und bewundern die schönen Südstaatenhäusern der oberen 10.000. Vorbei geht es an „The Battery“, einem Park mit Blick auf Fort Sumter. Charleston spielte eine wichtige Rolle im Bürgerkrieg. Als einer der vom Sklavenhandel abhängigsten Staaten erklärte South Carolina mit der Wahl von Abraham Lincoln zum US Präsidenten im Dezember 1860 seinen Austritt aus der Union. Im April 1861 fielen mit dem Angriff der konföderierten Truppen auf das von der US Armee besetzte Fort Sumter die ersten Schüsse des Bürgerkrieges. Kleines Detail am Rande: Niemand wurde in dieser ersten Schlacht getötet.
Nach dem verlorenen Bürgerkrieg und der Befreiung der Sklaven waren viele Familien aus Geldmangel gezwungen, ihre beschädigten Häuser zu reparieren, statt sie niederzureißen und neue aufzubauen. So besitzt Charleston heute eine einzigartige Kulisse von etwa 2000 restaurierten Gebäuden. Ganz gleich, in welche Strasse man einbiegt, überall sind wunderschöne Häuser mit den typischen Veranden (Veranda’s oder Veranden?) und verwunschenen Gärten dazu. Von überall her weht der Hauch der Geschichte und man kann sich vorstellen, wie es 150 Jahre vorher aussah (nämlich genauso).

In der Crew der Heimkehr Hamburg haben wir nette Freunde gefunden, die wir mit unseren Rädern einfach mal so an ihrem Steg in der Maritim Marina besuchen (wie Nachbarn zu Hause). Wir bringen leckere Donuts von Krispy Kream mit und genießen den Ausblick (die Männer ganz besonders) vom Deck der Heimkehr Hamburg aus.

Am Abend besuchen wir gemeinsam mit Marlene und Bert ein Konzert in der Circular Congregational Church in der Meeting Street. „The Sound of Charleston“, ein Querschnitt der Musikgeschichte Charlestons über die letzten 250 Jahre. Über Jazz, Gospel, Gershwin, Gullah, Spirituals und Civil War Songs war alles dabei.

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Während unser Spaziergänge und Radeltouren durch Charleston waren wir immer wieder fasziniert von den wunderschönen alten Villen und Häusern…

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17.11.2010 3-Tages-Segeltörn Norfolk – Cape Hatteras – Charleston

Hier das zugehörige Video zum Eintrag von gestern:


Norfolk-Cape Hatteras-Charleston from Pacific High on Vimeo.

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16.11.2010 Norfolk – Charleston

Tag 1: Samstag, 13ter November

Der Törnplanung von Norfolk nach Charleston haben wir besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Wir segeln dabei um das Cape Hatteras herum, das wegen seiner exponierten Lage und den beiden atlantischen Hauptströmungen die hier aufeinandertreffen (die Labradorströmung und der Golfstrom) sehr rau und unangenehm sein kann.  Viele Segler warnen von dem Cape und mahnen zur Vorsicht. Viel lernen konnten wir von Freunden, die bereits vor uns diese Passage gesegelt sind und uns via Mail, Telefon oder Blog wertvolle Tipps gegeben haben. An dieser Stelle einmal vielen Dank an Euch alle! So hatten zum Beispiel unsere Freunde von der Casulo eine mehr als abenteuerliche Reise uns Cape: sie hatten versucht mit ihrer Lagoon 420 den Intracoastal Waterway zu nehmen um nach 150 gefahrenen Meilen nachts um 2:00 Uhr an einer Brücke hängen zu bleiben. Obwohl sie sogar versuchten das Toplicht abzumontieren passten sie um wenige Zentimeter nicht durch und mussten wieder zurück und um das Cape herum. Von ihnen wie auch von Anton von der Jewel bekamen wir wertvolle Hinweise wo momentan der Golfstrom am stärksten ist und in welcher Entfernung vom Ufer wir am besten segeln sollen. Marlene und Bert von der Heimkehr Hamburg hatten auf dem Intracoastal Waterway auch Ihre besonderen Erfahrungen mit Brücken, Untiefen und wechselnden Sandbänken gemacht, sind aber durchgekommen und treffen (hoffentlich) heute in Charleston ein. Auch Claudia und Edi von der Cul8r sprich „Seeyoulater“ sind schon da – wir werden wohl heute etwas zusammen unternehmen.

Aber zurück zu unserer Planung: dank all dieser Hinweise und unser eigenen Erfahrungen auf dem Weg nach Norden Ende Juni diesen Jahres haben wir beschlossen ein ruhiges Wetterfenster abzuwarten und lieber etwas zu motoren als extreme Wind und Wellenbedingungen zu riskieren. Sonntag (15.11) soll das Wetter rund ums Cape sonnig und ruhig sein, also müssen wir Samstag Vormittag von Norfolk starten um (vielleicht) am Dienstag Charleston zu erreichen, bevor sich das Wetter verschlechtert und ab Dienstag Abend wieder ein unangenehm kräftiger Südwestwind weht.

Kolja fotografiert eifrig die Schiffe im Hafen

Gegen 9:30 Uhr verlassen wir Norfolk und fahren noch einmal für Kolja ganz nah an der Wisconsin und den vielen anderen (Militär) Schiffen im Hafen vorbei.

Wie kommen den diese beiden Fähren aus Hawaii nach Norfolk?

Wir laufen aus, die Zim Luanda, ein knapp 300m langer Frachter, läuft ein

Knapp zwei Stunden dauert es bis wir endlich hinter Fort Monroe die Segel setzen können und ruhe an Bord herrscht. Bei wechselnden Winden aus Norden segeln wir zur Chesapeake Bay hinaus und dann die Küste von Virginia, später North Carolina hinunter. Die See ist ruppig. Sich überlagernde Wellen schlagen hart gegen die Rümpfe, zum einen haben wir Schwell von einem abziehenden Sturm aus Nordwest der sich im flachen Küstengewässer zu einer ordentlichen Grundsee steigert, zum anderen steile kurze Wellen aus Nord hervorgerufen durch den aktuellen Wind um 20kn. Wir haben – wieder einmal – strahlenden Sonnenschein, ist um die 15 Grad warm, die sich bei den Winden aber eher wie 5 bis 10 Grad anfühlen. Anita und ich sitzen abwechselnd auf der Fly, eingepackt in warmer Unterwäsche, zwei Pullovern und dicker Segelkleidung und trinken heißen Tee oder Kaffee. Ich freue mich wieder einmal über meinen echten „Island Sheppard Pullover“, den ich vor einigen Jahren aus Island mitgebracht habe: die Wolle kratzt zwar fürchterlich aber die Wärme ist legendär. Auch wenn es jetzt vielleicht anders klingt: das Segeln macht Dank dem traumhaften Wetter Spaß, wir müssten ja nicht auf der Fly sitzen, sondern könnten die Pacific High auch von Innen steuern… Nach dem Abendessen (frische Nudeln mit Hummer gefüllt aus Annapolis, die sich Dank 0 Grad Fach im Kühlschrank so lange halten) frischt der Wind weiter auf und wir rauschen zunächst mit 8 bis 10kn Richtung Cape Hatteras. Ich habe die erste Nachwache übernommen und muss ab Mitternacht (leider) massiv die Segel reffen, da wir ansonsten zu früh am Kap währen.

Wir rauschen mit 8 bis 10kn in den Sonnenuntergang

Tag 2: Sonntag, 14ter November

Verlassnener Leuchtturm am Cape Hatteras

Gegen Morgen wird der Wind schwächer und bei Tageslicht gegen 8:30 Uhr erreichen wir Cape Hatteras. Die Wellen brechen sich etliche Meter hoch an den Diamond Shells – wir halten einen ordentlichen Respektabstand. Kaum haben wir das Kap umrundet sind die unangenehmen Wellen schlagartig weg und wir segeln gemütlich mit 5 bis 6kn bei achterlichen Winden zum Cape Lookout. Bei der ruppigen See am Tag zuvor war hatten die Kinder schulfrei, heute werden die Hefte zum Leidwesen unserer Kinder und Bücher wieder hervorgeholt. Aussser Schule lesen wir viel, spielen miteinander (das neue Spiel „Risiko“ ist momentan angesagt – Helena erfinden bereits neue Regeln). Es ist deutlich wärmer geworden: wir tragen keine dicken Segeljacken mehr und nur noch einen Pullover. Wir können meistens segeln, unter 5kn Fahrt schalten wir einen Motor dazu. Bei 1600 bis 1800 U/min brauchen wir 2 bis 3l. Diesel, das ist gut zu verkraften. Nur die Laune des Käpt’n verschlechtert sich dann immer…  Seit Cape Hatteras haben uns bereits drei Mal Delfine besucht: wie sehr hatten wir sie vermisst!

Endlich wieder Delfine: wie haben wir Euch vermisst!

Es muss einfach noch ein Delfin Foto ins Blog!

Sonnenuntergang am zweiten Abend

Gegen Abend frischt der Wind wieder auf um ab Mitternacht langsam komplett in eine Flaute überzugehen.

Tag 3: Montag, 15ter November

Es ist warm: unglaublich warm!

Spiegelglatte See Montag Vormittags

Vorgestern noch im Zwiebel-Look mit dicken Jacken und Pullovern sitzen wir heute in Shorts und T-Shirt Karibik-Like auf der Flybridge! Helena und Kolja springen auf den Trampolinen und rennen ums ganze Boot. Schon am Morgen hatten wir 20 Grad die sich dann Nachmittags auf knapp 30 Grad (im Schatten!) steigern – wir schwitzen!

Segeln in Shorts und T-Shirt: wie haben wir das vermisst!

Es herrscht nach wie vor Flaute, wir laufen unter Motor 6kn damit wir am Dienstag Vormittag Charleston noch vor dem angekündigten Sturm erreichen. Diesmal ärgert sich nicht einmal der Käpt’n: wir freuen uns über – und nutzen das traumhafte warme Wetter. Anita wäscht und trocknet acht (8!) Maschinen Wäsche, die sich in der feuchtkalten Chesapeake Bay angesammelt hatten.

Bunt ist die Reling der Pacific High: hier hängt die 6te Maschine Wäsche von Anita

Die Spülmaschine läuft und wir machen knapp tausend Liter Frischwasser mit dem Watermaker. Alles läuft über Inverter, Strom haben wir Dank den Solarzellen und den starken Lichtmaschinen an den Motoren genug. Am späten Nachmittag kommt wieder Wind auf und bei Sonnenuntergang verheißt der Abendhimmel mit seinen mächtigen Cirrus und Cumulus Wolken eine Wetterveränderung. Ich habe ein ungutes Gefühl: das schaut nach viel Wind aus. Ob der Sturm früher kommt als vorhergesagt?!

Abendhimmel am Montag: welches Wetter uns diese Wolken wohl bringen?

Seit unserem Abenteuer Ende Juni beim Einlaufen in die Bucht von New York sind wir noch vorsichtiger geworden. Damals hatten sich nach einem schwül-heißen Sommertag mächtige Wärmegewitter gebildet (über dreißig schwere Gewitter wurden damals zwischen Cape May und Long Island vom amerikanischen Wetterdienst gemeldet). Unsere befreundete Familie von der Charade hatte es böse erwischt: Groß und Fock zerrissen, Rigg schwer geschädigt. Der Wetterbericht sagt für die Nacht 10kn Wind aus Südwest voraus. Ich funke sicherhaltshalber die mit 20kn (Neid!) vorbeirauschende Motoryacht „Wanderer“ an, die meine Wettervorhersagen bestätigt. Ich werde trotzdem mein merkwürdiges Gefühl während meiner ersten Nachtwache nicht los und wir segeln erst einmal übervorsichtig nur unter Fock bei laufendem Motor weiter. Gegen 21:00 Uhr, nach drei Stunden konstantem Wind um 12kn setze ich doch das Großsegel, aber im dritten Reff. Zum einen sind wir damit immer noch zu schnell, wir wollen die Einfahrt nach Charleston erst am Morgen beim ersten Tageslicht erreichen, zum anderen ist da immer noch mein ungutes Gefühl in der Magengegend… Kaum ist das Groß gesetzt und der Motor aus frischt der Wind auf und die See wird wieder ruppig. Ich muss die Fock laufend verkleinern, da wir nur unter 6kn segeln dürfen um nicht zu früh anzukommen. Zwischen 1:00 Uhr und 2:00 Uhr nachts kommt Anita auf die Fly um meine Nachtwache abzulösen. Es ist stockfinster, auf dem Radar zeichnen sich schwere Gewitterwolken ab. Wir segeln 50 Grad am Wind (25 bis 30kn) gegen 4m Welle. Trotz Groß im dritten Reff und nur einem Handtuch von Fock laufen wir 7kn gegen die ruppige See, ich bleibe erst einmal mit wach um mich später dann doch zum schlafen auf die Couch im Salon zu legen. Kurz vor halb vier Uhr nachts werde ich wach, der Wind pfeift, die Wellen schlagen. Mein Blick wandert zum Radarbild auf dem Laptop der im Salon mitläuft: ein guter Teil des Bildschirms ist mit einer fetten Gewitterwolke (8sm = 14km Durchmesser) ausgefüllt, die mit ca. 30kn direkt auf uns zukommt. Ich will gerade aufstehen, als die Schiebetüre zum Cockpit aufgeschoben wird: es ist Anita, die Gewitterwolke schon länger verfolgt und mich holen will. Wir beschließen sicherhaltshalber die Segel komplett zu reffen (wir sind nun einmal vorsichtig). Kaum geschehen haben wir 40kn Wind und es regnet in Kübeln – wir sind froh uns trocken in den Salon zurückziehen zu können. Draußen tobt die See, es schlagen Wellen aus allen Richtungen gegen die Pacific High wir motoren langsam mit 4kn. 5sm neben uns stampft auch ein 160m langer Tanker durch die See Richtung Charleston den wir auf Radar, AIS und Funk verfolgen. Beim ersten Morgengrauen gegen 6:00 Uhr ist der Spuk vorbei: der Regen hat aufgehört und der immer noch gut 20 Grad warme Südwind trocknet schnell die Polster auf der Fly.

Feuriger Himmel bei Sonnenausgang vor Charleston

Wir setzen wieder die Segel und sind um 7:00 Uhr an der Einfahrt nach Charleston. Unter Fock und Motor fahren wir bei Rückenwind den ausgebaggerten Kanal entlang gegen die auslaufende Strömung. Es baut sich eine ungenehme Welle auf und wir müssen den zweiten Motor anwerfen. Trotz 20kn Wind und zwei Motoren 2/3 Kraft voraus stampfen wir nur mit 4,5kn gegen die auslaufende Strömung und Welle. Eine Stunde später sind wir endlich in der Bucht von Charleston und werden mit spiegelglattem Wasser und nur noch knapp 10kn Wind belohnt. Um 9:30 Uhr, exakt drei Tage nach dem Auslaufen in Norfolk, fällt der Anker vor der Charleston City Marina.

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11.11.2010 Segeln in der Chesapeakebay

Ich fühle mich in Märchen und Sagenbücher meiner Jugend zurückversetzt: die Helden ziehen durch die Welten und müssen dabei große Abenteuer bestehen. Immer wieder stranden sie an wunderschönen Orten und werden dort auf teils magische Weise festgehalten. Ungefähr so entwickelt sich auch unsere Segelei die USA Ostküste hinunter: immer wieder verweilen wir länger an Orten obwohl uns eigentlich genau bewusst ist, dass wir längst hätten weiterziehen sollen…

Spa Creek frühmorgens

So auch wieder in Annapolis: ursprünglich als zwei bis drei Tages Stopp geplant um das hübsche Städtchen anzuschauen und die bestellten Ersatzteile bei Freunden abzuholen, haben uns Washington und Annapolis mit ihren bunt gefärbten herbstlichen Wäldern und besonders unser geschützter und malerischer Ankerplatz im Spa Creek, in den Bann gezogen. Außerdem haben wir neue Freunde gewonnen (Amelia und ihre Familie, Anita’s beste Grundschulfreundin Carolin, Henner und ihre Töchter Isabel und Julia …) und alte wieder getroffen (Anton und Natalia von der Jewel, die Casulo war auch ganz in der Nähe …). Zum Schluss sind noch Imke und Ulli von der Eiland und Sabine und Hannes von der Cayenne eingetroffen mit denen wir zwei schöne Tage verbracht haben.

Von links nach rechts: Ulli, Anita, Imke, Sabine und Hannes
Von links nach rechts: Ulli, Anita, Imke, Sabine und Hannes

Während dem letzten gemütlichen Abend an Bord der Pacific High hätten sie uns fast überredet mit ihnen zusammen nach Washington zu segeln. Der viele Wein hatte, zumindest bei mir, sicherlich auch eine beflügelnde Wirkung…

Die war aber am nächsten Morgen um kurz nach 6:00 Uhr bei 5 Grad Außentemperatur wieder verflogen. Wir waren jetzt wirklich lange genug hier und hatten auch Washington an fünf Tagen ausgiebig erkundschaftet. Am kommenden Wochenende wartet ein gutes Wetterfenster am Cape Hatteras auf uns – dieses sollten wir wirklich nutzen! So fuhren wir um 7:30 Uhr wieder durch die enge Hebebrücke zum Spa Creek hinaus… verabschiedeten uns herzlich von unseren Freunden die draußen vor dem Hafenbecken geankert hatten und auch gerade dabei waren ihre Anker zu lichten. Bei nördlichen Winden um 18kn konnten wir gleich unseren Parasailor setzen. Dies gestaltete sich komplizierter als geplant: während der ganzen Segelzeit die Ostküste hinauf und hinab hatten wir den Spinnaker nicht genutzt und so war ich ein wenig aus der Übung. Drei Mal mussten wir den Parasailor hochziehen bis ich die Haltepunkte endlich richtig eingehakt hatte und sich der Parasailor majestätisch entfalten konnte: dies ist immer wieder ein toller Anblick, besonders wenn man genau in die niedrig stehende Sonne segelt. Der Spi blieb den ganzen Tag oben. Ein Segeltag wie er kaum schöner sein kann (und das Mitte November!): Wind und Welle von hinten, angenehmer kann man die Chesapeake nicht mehr hinunter segeln. Trotz der (nur) 14 Grad, war es auf der Fly in der Sonne angenehm warm. Viel Zeit zum Lesen, Essen und Kaffee trinken – morgens früh nach dem umständlichen Setzen des Parasailors brachte uns Kolja unaufgefordert zwei dampfende Tassen des heißen Getränkes auf die Fly (habe ich es schon erwähnt: ich liebe meinen Sohn!) und am Nachmittag gab es – wie immer köstlich – Anita’s Cappuccino! Zwischendurch ein paar Filter an den Wassereinlässen gereinigt (wir haben rund ein dutzend Wassereinlässe für Watermaker, Generator, Klimaanlage, Toiletten, etc.), Ölstand an den Maschinen kontrolliert (ich hatte in Annapolis alle Motoren und Antriebe gewartet).  Lange konnten wir noch die Fahrt unserer Freunde auf dem Chartplotter mitverfolgen (AIS sei Dank) und am Funk noch evieles bequatschen. Nachmittags wurde der Wind schwächer und genau an der Einfahrt zum Potomac River bei Sonnenuntergang fiel unser Parasailor wegen mangelndem Wind in sich zusammen: einfacher kann man in nicht bergen.

Unsere Ankerbucht für heute Nacht an der Einfahrt zum Potomac

Anschließend kurz um die Ecke motort und um 18:30 Uhr viel der Anker bei letztem Tageslicht vor im Point Lookout State Park in der Corn Harbor Bucht.

Wir erlebten einen ruhigen Abend in der windstillen Bucht. Zuerst wurden die, von der vielen Segelei hunrgigen Bäuche, gestopft. Wir waren in Annapolis zwei Mal asiatisch Essen gewesen und Helena hatte das “Spicy Honey Chicken” besonders gut geschmeckt. Ich habe es nachgekocht und es ist mir scheinbar nicht ganz misslungen da alle Teller restlos aufgegessen wurden – vielleicht war es aber auch nur der Hunger!? Anschließend spielten Helena, Kolja und ich eine Runde “Risiko” und nach langem harten Kampf gewann Helena die Oberhand und erlangte die Weltherrschaft. Es war doch recht spät geworden und so vielen wir alle schnell in tiefen Schlaf.

Dank der Zeitumstellung viel es uns nicht sonderlich schwer am nächsten Morgen wieder um kurz nach sechs aufzustehen und gegen 7:00 Uhr aus unserer Bucht hinauszusegeln. Unter Groß und Fock im ersten Reff, lieferten wir uns zunächst ein kleines Rennen mit zwei Einrumpfseglern die kurz vor uns gestartet waren. Obwohl die eine ca. 45 Fuß (vielleicht Carbon) Yacht HighTech Segel (Hydranet oder etwas ähnliches) hatte und die Crew sich schwer ins Zeug legte, setzte sich unsere schwere Pacific High (wir sind mittlerweile völlig überladen und liegen bei vollen Treibstoff und Wassertanks wirklich tief im Wasser) souverän durch und wir liessen mit 10kn bis 12kn Geschwindigkeit die beiden hinter uns. In drei Stunden segelten wir einen Vorsprung von ca. 6sm heraus: unglaublich der Geschwindigkeitsvorteil selbst von einem schweren Fahrtenkatamaran… Beim Setzen des Parasailor probierten wir diesmal etwas Neues aus, dass wir von anderen Seglern gehört hatten: wir ließen das Groß stehen (im zweiten Reff) und setzen den Parasailor davor. Bis zur Einfahrt in den Hafen von Norfolk blieben die Segel so stehen, wir konnten aber keine bahnbrechenden Vorteile erkennen: vielleicht waren wir etwas schneller (1/2 bis 1 kn), dafür mussten wir auf zwei Segel aufpassen, die im Zusammenspiel bei wechselnder Windrichtung deutlich kritischer sind als der gutmütige Parasailor alleine. Wir werden in Zukunft wohl auf den leichten Geschwindigkeitsvorteil verzichten und den Parasailor wieder Solo setzen. Ansonsten hatten wir wieder einen wolkenlosen, traumhaften Segeltag – nicht ganz so warm wie gestern, dafür schneller: wir erreichten die Einfahrt nach Norfolk bereits um 15:30 Uhr und hatten die knapp 80sm in 81/2 Stunden geschafft, einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 9kn!

Alter Leuchtturm vor der Einfahrt in den Hafen von Norfolk

Der Parasailor wurde gerefft unter Groß und Fock ging es in den Hafen hinein. Knapp ging es an einem Schlepperverband vorbei, der Schlangenbewegungen fahrend seine Fahrt verringerte.

Einfahrt in die Bucht von Norfolk, linkerhand kann man schon die Flugzeugträger erkennen

Unser schlangenlinienfahrender Schlepper

Vor dem Raketenkreuzer USS Hugo refften wir die Segel und fuhren dann gemächlich an der US Navy Naval Station Norfolk vorbei, der größten Marine Basis der Welt, Heimathafen für fünf Flugzeugträger, über 30 Kriegsschiffe, neun Schiffe für amphibische Kriegsführung und acht U-Boote. So voll wie es war, schienen sie zum großen Teil zu Hause zu sein! Für Kolja und seinen technikbegeisterten Papa natürlich ein ganz besonderer Moment.

Links liegt die USS George H. W. Bush, rechts daneben die USS Enterprise

Ganz vorne lagen die  über 330m langen Flugzeugträger:  CVN-77 USS George H. W. Bush, der modernste Flugzeugträger nach dem 41.ten Präsidenten benannt und die legendäre CVN-65 USS Enterprise, der erste atomgetriebene Flugzeugträger der Welt.

CVN-77 USS George H. W. Bush

Die Enterprise ist älter als ich (Indienststellung 1961) wird wohl über 50 Jahre im Dienst sein und hat mich  seit meiner Kindheit fasziniert.

CVN-65 USS Enterprise

Dahinter drei amphibische Angriffsträger der Wasp Klasse die mit knapp 260m Länge kaum weniger beeindruckend sind.

Amphibische Angriffsträger der Wasp Klasse

LHD-5 USS Bataan

Weiter folgen Zerstörer, Fregatten, weitere amphibische Landungsschiffe in bedrohlicher Anzahl und Ausmaßen.

Ein Teil der hier stationierten Flotte

Moderner Stealth Trimaran der US Navy

Wir können sie uns ganz friedlich Anschauen und sind beeindruckt von der technischen Leistung. Gleichzeitig erschreckt uns das Bedrohungspotential dieser Streitmacht. Noch mehr entsetzen uns die Kosten die diese Armada verursacht. Zusammen mit den Kindern haben wir ein wenig im Internet recherchiert: der Bau der USS Enterprise mit atomaren Antrieb verschlang solche Unsummen, dass selbst die USA die kommenden Träger aus Kostengründen wieder mit konventionellen Antrieben ausstattete. Allein die letzte Generalüberholung kostet 613.000.000 USD (613Mio $) obwohl sie baldmöglichst (geplant in zwei bis drei Jahren) außer Dienst gestellt werden soll. Der neue Träger ,der sie ersetzen wird, die CVN-78 USS Gerald R. Ford wird inkl. Entwicklung 14.000.000.000 USD (14Billionen $) kosten. Man schätz die Kosten während des Einsatz Zyklus eines Trägers auf durchschnittlich 32.000.000.000 USD (32Billionen $). Und das sind nur die großen Flugzeugträger von denen die USA permanent 11 im Einsatz haben. Dazu kommen all die anderen Kriegsschiffe… ohne weiter diese monströsen Zahlen aufschreiben zu wollen reden wir hier von zig tausend Billionen USD (X.000.000.000.000 $)! Was könnte man mit diesem Geld alles Gutes tun wenn es keinen Krieg gäbe! Nicht auszudenken welche Fortschritte wir damit in der Medizin oder der Armutsbekämpfung erzielen könnten!!!

Direkt hinter dem militärischen Teil beginnt das Container Terminal

Nach diesen eher philosophischen Betrachtungen fuhren wir bei Dunkelheit weiter in den Hafen von Norfolk hinein und ankerten neben dem Krankenhaus direkt gegenüber der 270m langen USS Wisconsin einem Schlachtschiff der Iowa Klasse, den wohl mächtigsten Schlachtschiffen der Welt nach der Japanischen Yamato Klasse. Dies war uns aber erst einmal egal, denn wir mussten zwischen den anderen Segelschiffen unseren sicheren Ankerplatz finden. In der Dunkelheit zwischen den (teilweise unbeleuchteten) kleinen Segelbooten und Bojen und einigen Untiefen am Ankerplatz nicht ganz einfach aber gegen 20:00 Uhr saßen wir vier im warmen Salon am Esstisch zum Abendessen bei frischen Nudeltaschen (mit Kürbis gefüllt)…

Die Skyline von Norfolk in der letzten Abendsonne
Nacht über Norfolk

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08.11.2010 Annapolis – Westfield Shopping Mall

Heute sollten endlich die lang ersehnten Pakete ankommen und bis dahin wollten wir den Tag mit einem Bummel durch das Westfield Shopping Center nutzen.

Als wir mit dem Dinghy am Dinghydock ankamen, standen dort Uli und Imke von der SY Eiland. Das ist immer wieder ein tolles Gefühl. Man ist in einer fremden Stadt und zufällig trifft man auf Freunde. Wir freuten uns alle sehr uns wiederzusehen. Wir verabredeten uns für abends bei uns auf dem Boot. Sie waren so nett, uns bei ihrem letztem Heimaturlaub neue Flaggen und noch so ein paar lebensnotwendige Dinge (wie Wick MediNait und Dr. Oetker-Pudding-Pulver) aus Deutschland mitzubringen. Unsere jetzige deutsche Flagge ist kaum mehr zu erkennen, so kommt der Ersatz gerade rechtzeitig.

Wir verabschiedeten uns und wir fuhren mit dem Bus ins nahe gelegene ShoppingCenter (Fahrtzeit ca. 8 Minuten). Im Internet suchten wir uns vorher die richtige Buslinie heraus. Die grüne Linie. Aber der Bus kam nicht. Wir warteten und warteten… Annapolis hat seit zwei Tagen ein komplett neues Bussystem, leider funktioniert es nicht. Endlich kam ein Bus, leider die goldene Linie. Aber auf meine Frage hin antwortete der Busfahrer, diese Linie fährt auch zur Shopping Mall. Aber es kam mir gleich komisch vor, warum der Busfahrer bei der Zentrale anfragte, wieviel der Fahrpreis wäre. Nach einer Stunde Fahrt sassen wir immer noch im Bus und wir waren uns nicht sicher, ob wir uns noch im selben Bundesstaat befanden. Für die kurze Strecke von eigentlich nur 10 Minuten brauchten wir insgesamt 1 ½ Stunden, da der Bus erst noch ich-weiß-nicht-wohin gefahren ist. Sicher, nach 1 ½ Stunden kamen wir tatsächlich bei der Shopping Mall an, aber der Busfahrer hätte ja auch gleich sagen können, daß er nicht auf direktem Weg fährt. Naja, immerhin haben wir viel von der Landschaft gesehen.

Endlich waren wir im Einkaufsparadies. Wir brauchen alle wärmere Sachen. Das Wetter ist sonnig, aber trotzdem kalt. Da kommen wir mit unseren leichten Sommersachen nicht weit. Glück für uns, daß  im Aeropostale ein „SALE“ mit bis zu 50 – 70 % stattfand. Wir kauften ein…je mehr wir kauften, desto mehr sparten wir schließlich. So wurde jeder von uns mit Pullover und Jacken ausgestattet. Mit vielen Tüten bepackt riefen wir Amelia an, die uns netterweise vom ShoppingCenter abholte, denn dem öffentlichen Bussystem trauten wir nicht mehr so ganz. Sie brachte auch unsere ganzen Pakete mit und so steht dem Weitersegeln nichts mehr im Weg, außer…

Ja, außer unseren Freunden von der SY Eiland und der SY Cayenne. Wir waren abends beim Essen mit ihnen in einer großen Runde. Mit dabei waren auch Imke’s Schwester Meike, die hier in der Gegend wohnt. Und außerdem zwei „neue“ Weltumsegler aus Boston. Sie haben ihre Weltumsegelung gerade erst vor drei Wochen begonnen, da fühlen wir uns direkt schon wie alte Hasen. Jetzt haben uns Imke und Uli, Sabine und Hannes gerade eingeholt und wir sollten dann am nächsten Tag gleich weitersegeln? Eine kurze Lagebesprechung und es war klar: Wir warten noch einen Tag.

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07.11.2010 Annapolis United States Naval Academy

Nachdem wir schon fast zwei Wochen in Annapolis sind und bisher von der Stadt noch nicht allzuviel gesehen haben, stand heute Sightseeing in Annapolis an. Ein wirklich schönes kleines Städtchen. Allerdings war trotz Nachsaison viel los. Das liegt vielleicht auch an der Naval Academy, die in Annapolis beheimatet ist. Die vielen (künftigen) Marineoffiziere in ihren Ausgehuniformen bestimmten das Strassenbild. Wir sahen uns dann auch gleich die Naval Academy an, die jeder kostenfrei ansehen kann, solange er einen Lichtbildausweis am Eingang vorzeigt. So konnten wir ungehindert durch das Gelände schweifen, in dem etwa 4000 Offiziersanwärter vier Jahre lang ausgebildet werden. Danach besuchten wir noch das Maryland State House mit der obligatorischen Holzkuppel, die zwanzig Jahre älter ist als ihr Gegenstück in Washington. Annapolis diente nach dem Ende der Unabhängigkeitskrieges sogar neun Monate lang als Hauptstadt der Vereinigten Staaten.

Anschließend stärkten wir uns und aßen die Crab Cakes, die es so nur hier in der Chesapeake Bay gibt. Wir fuhren mit dem Dinghy unter der Brücke zum Boot zurück, waren die Heizung an und machten es uns gemütlich.

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06.11.2010 Annapolis – Besuch von Carolin mit Familie

Gestern hatten wir fest vor, uns endlich Annapolis anzusehen. Die Sonne lachte vom blauen Himmel, ein schöner Tag. Aber als wir endlich mit der Schule fertig waren, hatte der Himmel sich zugezogen und wir entschieden uns, an Bord zu bleiben. So wie es aussieht, hängt unser Paket aus Frankreich übers Wochenende im Zoll und vor Dienstag werden wir sowieso nicht wegkommen. Schade, denn eigentlich hätte am Dienstag ein tolles Wetterfenster mit wenig Wind kommen sollen, das es uns ermöglicht hätte, gefahrlos um das Cape Hatteras herumzukommen. Es waren Windstärken von 10 – 15 Knoten angesagt, erfahrungsgemäß kann man nochmal 10 Knoten draufpacken und das wären dann 25 Knoten. Reicht vollkommen. Wenn aber 25 Knoten angesagt sind, sind es in Wirklichkeit 35 Knoten und dann ist es mit angenehmen Segeln (zumindest bei diesen Temperaturen) vorbei.

Im Netz habe ich eine anschauliche Grafik über die Beaufort-Skala (Einteilung der Windstärken) gefunden, wirklich sehenswert:

Der Link:

http://magazine.web.de/sync/afp_animationen/wind_beaufort/index.html

Ich habe gerade nochmal die Passageweather im Internet überprüft. Das Fenster hat sich ohnehin schon wieder geschlossen und die ganze Woche über werden 25 – 30 Knoten erwartet. Also können wir uns Zeit lassen.

Meine Freundin Carolin (aus der Grundschule), ihr Mann Henner und ihre beiden Töchter kamen uns dafür besuchen. Es war ein wunderschöner Nachmittag mit den beiden und auch die Kinder verstanden sich auf Anhieb. Endlich mal wieder jemand, mit dem man Deutsch sprechen kann! Wir holten sie mit unserem Dinghy vom Steg ab und verbrachten einen schönen Nachmittag auf der Pacific-High bei leckerem Apfelkuchen. Später machten wir uns zusammen auf in die Altstadt Annapolis.

Direkt am Dinghyanlandesteg ist das Kunta Kinte – Alex Haley Memorial. Ende der 70’er strahlte das Deutsche Fernsehen die Fernsehserie „Roots“ aus. Die Geschichte um den Sklaven Kunta Kinte und seine Nachkommen hat mich damals als Kind tief beeindruckt. Hier also soll Kunta Kinte mit seinem Sklavenschiff aus Afrika angekommen sein und in einer Auktion an einen Pflanzer in Virginia verkauft worden sein. Der Hafen Annapolis wäre das Ellis Island für die African Americans, so steht es auf der Internetseite der Alex Haley Foundation. Das Memorial ist schön gestaltet, es zeigt den Autor von „Roots“ Alex Haley mit drei Kindern mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund.

Es war ungeheuer viel los und nach einem kurzem Spaziergang und kurzem Besuch in einer Galerie kehrten wir in dem irischen Pub „Galway Bay“ ein. Vorher fand natürlich noch die obligatorische Suche mit dem I-Phone statt. Was hat man früher nur gemacht? Wie hat man den Weg gefunden? Und es war schön zu sehen, daß überall auf der Welt die gleichen Späße (Hasenohren) gemacht werden:

Im Galway Bay gab es die Crab Cakes, für die die Chesapeake Bay berühmt ist. Henner war so nett und ließ mich davon probieren. Die sind wirklich lecker, das nächste Mal bestelle ich mir auch Crab Cakes.

Die Zeit verging wie im Flug und viel zu früh mußten wir uns leider schon wieder von unseren neuen/alten Freunden verabschieden. Auf dem Weg zum Dinghy trafen wir noch diese zwei netten Herren von der United States Naval Academy, die in Annapolis heimisch ist. Also, ich muß sagen, so eine Uniform hat schon was, vor allem, wenn sie von zwei so schmucken jungen Männern getragen wird.

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04.11.2010 Annapolis im Regen

Gestern früh gaben wir unseren Mietwagen zurück. Wir nahmen dazu unsere Räder mit. Wie sonst sollten wir wieder nach Hause kommen? Bei Westmarine sollte noch eine Lieferung für uns eintreffen und um die Zeit totzuschlagen fuhren wir zur nahe gelegenen Westfield Shopping Mall. Dort erstanden wir Fleece-Pullover, Schals und was man sonst noch so im Winter braucht. Die Lieferung brauchte länger als erwartet und anstatt Annapolis bei Sonne anzusehen, liefen wir im Einkaufscenter herum und gaben Geld aus. Die Heimfahrt mit dem Radl war wieder wunderbar (nachdem wir die Hauptstrasse verlassen und durch Wohngebiete fahren konnten). Die Autofahrer sind alle sehr aufmerksam und es wird immer angehalten um uns Vorfahrt zu gewähren.

Heute regnet es den ganzen Tag. Wir verkriechen uns im Boot und machen Schule, surfen im Internet, fangen Regenwasser auf, räumen hin- und her, schalten die Heizung ein und aus und wieder ein. Außerdem lassen wir nun doch den Wassermacher laufen. Unsere riesigen Tanks sind trotz eisernen Wassersparens leer und es sieht so aus, als würden wir noch einige Tage warten müssen, bis alle Pakete eingetroffen sind. Klaus und ich sind froh, daß wir auch endlich mal wieder einen Tag an Bord verbringen dürfen und lassen es uns gut gehen.