16./17.12.2013 Wanderung auf den Aorai

Blog_20131225_DSC04174Es ist kurz nach 7:00 Uhr, wir stehen mit drei gut gepackten Rucksäcken auf den Schultern an der Haltestelle vor dem Carrefour und warten auf den morgendlichen Bus nach Papeete. Gesina und Leo von der „Seluna“ hatten vor einigen Tagen angeregt eine zwei Tages Wanderung, auf den Aorai, einem der höchsten Berge Französisch Polynesiens, zu unternehmen. Die Wanderung wird ausführlich in dem Buch: „La Montagne – Histoire, Nature et Randonnées“ von Paule Laudon beschrieben. Sie führt, meist dem Berggrat folgend, von dem, Lokal „Belvedere“ über zwei Berghütten auf den 2065m hohen Gipfel. Wir haben Glück und erwischen einen kleineren Bus, der bis nach Pirae durchfährt und uns direkt an dem Abzweig zum „Belvedere“ (KM4) aussteigen lässt. Wir versuchen unser Glück mit Autostop und werden von einer Mutter mit Kleinkind in ihrem großen Geländewagen ein gutes Stück mitgenommen. Ab der Abzweigung am Ende der Siedlung müssen wir zu Fuß weiter, haben aber bereits nach 20min. wieder Glück: zwei Elektriker der EDT machen Platz in ihrem Kleinwagen und wir dürfen, im Kofferraum sitzend, mitfahren. Die Beine baumeln über der Stoßstange, die Heckklappe droht uns auf den Kopf zu fallen… aber immer noch besser als zu laufen! Wir verabschieden uns lachend am „Belvedere“ von den beiden netten Polynesiern die extra für uns bis dort hinauf gefahren sind.

Hier beginnt ein bequemer Wanderweg, der bis zur ersten Berghütte „Fare Mato“ in 1400m Höhe führt. Es ist heiß, die Sonne scheint kräftig vom (fast) wolkenlosen Himmel. Auf der Wiese dahinter machen wir Rast und essen unsere mitgebrachten Brote. Wir haben einen wunderschönen Ausblick auf Papeete. Der Aufstieg zur zweiten Hütte ist anspruchsvoller, der Pfad wird schmaler und verschwindet zeitweise im Nebel. Wir sind froh, dass immer häufiger Wolkenfetzen, wie Nebelschwaden den Hang hinauf wabern und uns Kühlung verschaffen. Immer wieder passieren wir steile, gefährlichere Passagen, die mit Seilen gesichert sind. Wir sind froh, so ein günstiges, trockenes Wetterfenster erwischt zu haben, obwohl wir uns eigentlich schon mitten in der Regensaison befinden. Der Pfad ist häufig durch Errosion tief eingegraben und mit lockerem Geröll bedeckt – bei Nässe und Regen möchte ich hier nicht wandern. Gegen 14:30 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel, die zweite Schutzhütte „Fare Ata“ in 1800m Höhe. Wir inspizieren zuerst unser Nachtlager: die Hütte macht einen sehr soliden aber auch recht einfachen Eindruck: geschlafen wird auf dem nackten Holzboden. Wie von Gesina vorausgesagt gibt es zwei große Edelstahlzisternen mit Trinkwasser. Wir verbringen den Nachmittag am Picknick Tisch auf dem Plateau neben der Hütte von dem man eine grandiose Sicht auf Papeete, das Riff und Moorea hat. In der Sonne ist es angenehm warm, ich lege mich ins Gras und höre etwas Musik. Immer wieder hüllen uns aber Wolkenbänke ein und dann wird es doch empfindlich kalt und wir sind froh um unsere Flies Pullis und Jacken. Gegen 18:00 Uhr zum Sonnenuntergang gibt es Abendessen – ich habe mir einen Thai-Nudelsalat mit gegrilltem Hähnchenfilet und viel Gemüse vorbereitet, sowie hart gekochte Eier, Äpfel und Möhren mitgebracht. Wir genießen dabei das Schauspiel der Wolken, den grandiosen Blick auf das weite Meer und den langsamen Übergang vom Tag in die Nacht. Die Stimmung, ganz allein hier oben zu sein, hat etwas mystisches. Erst gegen halb acht Uhr treibt uns die Kälte in die Hütte, wo es aber leider nicht wirklich wärmer ist. Ich fühle mich nach dem geruhsamen Nachmittag fit und würde am liebsten gleich auf den Aorai wandern, aber das geht natürlich erst Morgen früh. Die Nacht bringt keine richtige Erholung: ich bin mit meinen wohl nicht mehr für Schlafen auf nacktem Holzboden geschaffen. Die Isomatte ist zu dünn, die Decke zu kurz und der Rucksack als Kopfkissen zu hart. Jede Stunde wache ich auf und versuche mich anders rum zu drehen um irgendwie bequemer zu liegen. Gegen 22:00 Uhr kreist ein Hubschrauber ein paar Mal in der Nähe unserer Hütte: was der hier wohl suchen mag? Um 1:00 Uhr nachts kommt kräftiger böiger Wind auf der sogar die Eingangstüre aufstößt. Ich schäle mich aus meinen Decken und schließe sie wieder. Immer wieder ziehen Squalls mit kurzen heftigen Regengüssen über uns hinweg. Es ist merklich kühler geworden… na, das kann ja Morgen heiter werden! Um 5:00 Uhr früh dämmert es und ich bin froh aufzustehen. Die Temperaturen in der Hütte sind auf 12,5 Grad gesunken – ich hätte nicht gedacht, dass es so kalt werden würde. Von dem Plateau eröffnen sich spektakuläre Ausblicke. Hinter mir schält sich der Aorai aus dem Morgengrau, unter mir funkeln die Lichter von Papeete, am Horizont ragen die scharfen Konturen der Bergkämme von Moorea aus dem Meer. Der Himmel ist wolkenlos, die Sicht glasklar. Ich versuche es mit ein paar leichten Dehnungsübungen: meine Muskeln protestieren und ich spüre jeden Knochen im Leib! Nach einem kleinen Frühstück beratschlagen wir kurz ob wir den Aufstieg trotz des vielen nächtlichen Regen wagen sollen. Wir wollen es zumindest versuchen, wer weiß ob sich noch einmal diese Gelegenheit bietet. Mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne wandern wir den Berggrat empor. Laut Wanderbuch sind es fünf kleine Gipfel / Bergspitzen bis zum Aorai. Wegen der Nässe ist es viel rutschiger als am Vortag. Es fehlen in dieser Höhe oft Büsche und Bäume an dehnen man sich festhalten könnte. Das macht die Wanderung über den Grat nicht sicherer und auf ca. 2000m Höhe am letzten Gipfel vor dem Aorai beschließen wir es gut sein zu lassen und umzukehren. Wir genießen noch ein letztes Mal die grandiose Aussicht bevor es wieder abwärts geht. Der steile Pfad den Berggrat hinunter geht ganz schön in die Knie und wir sind alle drei froh gegen Mittag wieder an der Straße zum „Belvedere“ zu sein. Mittlerweile sind viele graue Regenwolken aufgezogen und am Aorai scheint es wieder zu schütten. Da haben wir wohl viel Glück gehabt, genauso wie mit dem freundlichen Franzosen, der uns in seinem Auto mitnimmt und bis zur Marina Taina bringt. Ein freundlicher Ausklang zweier anstrengender, aber wunderschöner Wandertage!

Bevor Ihr Euch die vielen Bilder von der Wanderung anschaut, möchte ich auf zwei weitere Blogeinträge mit Bildern vom Aorai verweisen. Unter dem Menüpunkt „Panorama/Panorama2013“ findet Ihr weitere Panorama und Wolkenbilder von unserer Wanderung. Hier die direkten Links:

Tahiti / Aorai – Wolkenformationen

Tahiti / Aorai – Panoramabilder

.

Share on Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.