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11.03.2011 Von blinden Passagieren und freundlichen Einwohnern

Wir haben ganz vergessen unseren blinden Passagier, der uns während der Passage von West Palm Beach zu den Bahamas mitten auf dem Meer zugeflogen war, zu berichten. Helena und Kolja hatten Ihren Spaß an unserem zutraulichen neuen Crewmitglied, dass mit Plätzchern und Frischwasser verwöhnt wurde. “Quietscher” tauften sie den kleinen Gelbfinken? der bis zur Ankunft auf den Bahamas bei uns blieb.

Nach unserem “stürmischen Abenteuer” wollten wir Grand Bahama ein wenig besser kennen lernen und auch unsere Vorräte etwas ergänzen. So rafften wir uns zu einem längeren Inselspaziergang auf. Es ist immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich die Insel sind: während der Südosten einen relativen Wohlstand aufweist – hier gibt es den Freihafen “Freeport” und diverse Hotelanlagen sowie Wochenendhäuser – lebt der Nordwesten in sehr einfachen, ja fast ärmlichen Verhältnissen. Deswegen sind die Menschen hier in West End aber nicht minder freundlich – ganz im Gegenteil! Bereits nach kurzer Zeit hält ein junger dunkelhäutiger Mann neben uns an. Rap und Reaggie Musik dröhnen laut aus dem Fahrzeuginneren seines schwarzen japanische Sportwagen, der auch schon bessere Tage gesehen hat. Wir nehmen sein Angebot gerne an, uns in die nächste Ortschaft zu fahren und erfahren nebenbei etliche Details über das Leben hier.  Nach einem Stopp an der Tankstelle lässt er uns direkt vor einem der beiden General Stores aussteigen – vielen Dank! Leider ist das Angebot mehr als Bescheiden… wir erstehen ein Toastbrot und zwei Liter Milch. Vor dem Laden kommt es noch zu einem Plausch mit einem älteren Herrren, der dort scheinbar den ganzen Tag sitzt und über Alles bestens informiert ist. Der Rückweg zum Schiff ist deutlich anstrengender und länger, da wir ihn komplett zu Fuß zurücklegen. Nicht, dass nicht wieder ein kleines schwarzes Auto gehalten hätte… der Wagen verströmte jedoch einen dermaßen penetranten süßlichen Geruch nach Marijuana und die beiden äusserst freundlichen Fahrzeuginsassen hatten massive Probleme mit der Artikulation Ihrer Sprache und der Koordination Ihrer Gesten, daß wir von einer Fahrt mit Ihnen doch Abstand nahmen…

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10.03.2011 Noch mal gutgegangen …

Heute Morgen sind wir von einem unangenehmen Schwell geweckt worden. Wir hatten beschlossen noch ein, zwei Tage in West End zu bleiben, trotz des schlechten Ankergrundes und der nicht übermäßig schönen Landschaft, da wir günstige Winde aus NW (für Morgen angesagt) abwarten wollten. Für die Schule lernen, Boot aufräumen und putzen können wir überall und ein paar Tage Ruhe um ins “normale Seglerleben” wieder zurückzufinden tun uns auch gut. Vergangene Nacht hat der Wind mit gut 25kn geblasen und der Anker ist nicht geslippt d. h. die Pacific High hat sich nicht bewegt, jetzt wollen wir aber dem unangenehmen Schwell entkommen und verlegen uns durch die flache Riffeinfahrt hinter die Westspitze der Insel. Hier liegen wir sehr malerisch und gut geschützt, aber der wunderschöne Sandboden in 3m Wassertiefe liegt auch hier nur hauchdünn auf der Felsenplatte und bietet unserem Anker kaum besseren Halt.  Unser Ankerplatz hat einen  Durchmesser von vielleicht 150m, außenrum wird es sehr schnell untief. Wir kommen gut mit der Schule voran, Helena und Kolja kämpfen sich gerade durch Berge von Matheaufgaben als ich gegen Mittag eine massive Wolkenbank erkenne, die sich über den ganzen Horizont erstreckt. Sie kommt aus südlicher Richtung auf uns zu, die Wolken sind nicht wirklich bedrohlich, Farbe weiß bis hellgrau. Den Wetterbericht habe ich erst vor einer guten Stunde überprüft: keine besonderen Vorkommnisse, max. 15kn Wind aus Süd, viel Sonne. Die Wolkenfront schaut mir doch nach etwas Wind und Regen aus, ich rechne mit 30kn Wind und 20 Minuten Regen. Wir machen daher die Pacific High sturmklar: Alles was wegfliegen kann wird gut verstaut, die Bordelektronik wird eingeschaltet und ich stecke vorsichtshalber die Motorschlüssel in die Zündschlösser auf der Fly. Es ist ca. 27 Grad warm, wir sitzen im Salon, ich – dummerweise – nur in Badeshorts die restliche Crew in Shorts und T-Shirt als die Wolkenwand über uns hineinbricht. Die Windanzeige schnellt innerhalb Sekunden von 10kn auf 30kn… dann auf 40kn… und kurz darauf haben wir Böen von über 50kn! Kolja merkt es zuerst: wir slippen und zwar massiv! Kolja läuft mit Anita an den Bug zur Ankerwinsch, Helena springt mit mir die drei Stufen auf die Fly. Blöderweise hatte ich die schützende Abdeckplane über den Instrumenten noch nicht abgenommen um diese vor dem Regen zu schützen. Bei knapp 50kn Wind kein leichtes Unterfangen , wir können sie nicht aus der Führungsschiene ziehen. Die Zeit wir knapp, wir driften laut GPS mit 2kn auf die Felsen zu. Helena reagiert ganz toll: “Papa, ich mach das!” brüllt sie und setzt sich einfach vor mich auf die Plane und schafft es auch die Abdeckkappen von den Instrumenten zu reissen und festzuhalten. Derweil habe ich die Motoren gestartet und gebe Vollgas… es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis die Pacific High nicht mehr rückwärts slippt sondern sich langsam gegen Wind und Welle durchsetzt und wir knapp den Felsen entkommen. Derweil haben Anita und Kolja angefangen den Anker einzuholen, was bei dem Unwetter ein fast unmögliches Unterfangen darstellt. Die Pacific High tanzt an der Ankerkette, der Wind drückt uns mit einer solchen Macht entweder nach Back- oder Steuerbord, selbst unter voller Kraft beider Maschinen und hartem Ruderausschlag komme ich kaum gegenan. Der Regen peitscht horizontal gegen das Deck und unsere Körper. Die dicken fetten Tropfen fühlen sich an wie Hagelgeschosse – besonders wenn man so dumm ist und nur eine Shorts an hat! Anita und Kolja schaffen es irgendwie den Anker hochzubekommen, aber jetzt wird die Pacific High noch mehr zum Spielball des Windes und der Wellen. Wir laufen immer Gefahr aus dem tiefen Wasser auf die flache Felsbank gedrückt zu werden. Es vergeht eine gute Stunde und der Wind läßt nicht nach. Uns allen ist kalt und durch den harten Regen die Haut ganz rot geworden. Helena und Kolja konnten wir wenigstens in den Salon schicken, Anita und ich motorten weiter gegen den Sturm an. Nach einem vergeblichen Versuch den Anker, zumindest als Unterstützung, noch einmal auszubringen beschließe ich durch die Riffausfahrt zu fahren um wenigstens mehr Abstand zu den Felsen zu gewinnen. Wir fahren Vollgas, beide Motoren 3200 U/min und kommen kaum gegen die 3m hohen steilen Wellenkämme an die sich am Riff brechen. Anita achtet auf die Tiefe und gibt mir die Richtung an in die ich steuern muß. Wir schaffen es durch die Riffausfahrt und haben die Gefahren der Untiefen hinter uns gelassen, dafür liegen wir jetzt völlig ungeschützt in der offenen Bucht.  Die Hafeneinfahrt ist schmal, weniger als doppelt so breit wie die Pacific High und auch hier brechen sich die Wellen, aber das Vor- Hafenbecken schaut verlockend ruhig aus. Ich kenne die Einfahrt da ich hier vor drei Tagen mit dem Dinghy durchgefahren bin. Mit dem Schwung von Wind und Welle, die wir jetzt im Rücken haben und halber Fahrt von beiden Motoren rauschen wir durch die Einfahrt… und liegen in glattem Wasser! Der Wind pfeifft zwar immer unverändert mit gut 40kn aber die steilen Wellen sind weg. Anita und die Kinder machen die Pacific High klar zum anlegen, bringen alle Fender und ausreichend Leinen aus. Ich motore noch eine Weile gegen den Wind an bis dieser sich eine kleine Verschnaufpause von nur 30kn gönnt. Jetzt aber schnell an den Aussensteg für Gäste (für die eigentlichen Stege der Marina ist die Pacific High zu groß). Es ist gerade noch ein Plätzchen frei für uns und Dank der Mithilfe einiger anderer Segler liegen wir bald darauf fest vertäut am Steg. Nach 2 1/2 Stunden sind wir durchgekühlt und müde, aber auch überglücklich dieses Abenteuer so gut miteinander überstanden zu haben! Jetzt heißt es schnell abtrocknen und warme Kleider anziehen während Helena und Kolja uns heissen Kaffee und Tee zubereiten!

Leider hatten nicht alle so ein Glück wie wir während diesem Unwetter: kurz nach uns kamen zwei Segler mit zerfetzten Segeln in den Hafen und ein weiterer mit massiven Schäden am Heck…

Gegen Abend flaute der Wind dann ab und offenbarte uns dieses wunderschöne Abendrot…

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08.03.2011 Grand Bahama – West End

Nach einer angenehmen Überfahrt mit viel Sonne und ruhigem Meer von Palm Beach nach Grand Bahama liegen wir vor West End vor Anker. Alle an Bord freuen sich wieder über das türkisblaue Wasser und die freie Leben vor Anker. Zwar ist West End nicht gerade die schönste Ecke der Bahamas und der Ankergrund ist lausig: eine reine Felsplatte die dem Anker keinerlei Haltemöglichkeit gibt. Uns gefällt es trotzdem! Die Kinder strengen sich vormittags in der Schule besonders an, dass sie möglichst bald ist 25 Grad warme Meer springen können. Die Erwachsenen geniessen, neben den Pflichten an Bord, ein gutes Buch oder eine gemütliche Tasse Kaffee…

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5.3.2011 Vor Anker in West Palm Beach

Wir genießen unseren ersten ruhigen Ankertag seit drei Monaten! Zur Feier des Tages gab es in der großen (Schul-) Pause um 10:00 Uhr einen Pfannkuchen mit Nutella für Kolja und zwei Omelette mit Tomaten, Zwiebeln und Käse für Anita und mich. Unsere arme Helena, mit Ihrer Eieralergie, mußte sich mit frischen Toast begnügen…

Der Himmel ist eher bedeckt, aber leider fällt kein Regen, der die Salzkruste von der Pacific High waschen könnte. Gerade haben Kolja und ich eine kurze Testfahrt mit unserem Dinghy unternommen, ich hatte doch in Port Canaveral endlich eine passende neue Zündkerze bekommen: jetzt schnurrt der Motor wieder wie eine eins! Ein erstes Foto von der Pacific High am aktuellen Ankerplatz haben wir auch schnell gemacht:

Wie man sieht hat Anita fleißig Wäsche gewaschen… ging ja in den letzten Wochen an Land in der Schiffswerft nicht. Das Wetter bleibt wie vorrausgesagt und wir werden Morgen früh zwischen 5:00 und 6:00 Uhr Richtung Bahamas aufbrechen…

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4.3.2011 West Palm Beach

Es ist kurz nach acht Uhr abends. Wir sind alle Vier müde aber glücklich wieder zu segeln und unser Ziel erreicht zu haben. Es waren zwei harte Segeltage von Port Canaveral via Fort Pierce nach West Palm Beach. Hier die Auszüge aus unserem Logbuch:

Donnerstag, 3.3.2011

Gegen 7:00 Uhr haben Larry und zwei weitere Arbeiter angefangen unser Coppercoat mit 320 Schleifpapier anzuschleifen = vor dem ins Wasser lassen zu aktivieren. Um 9:30 Uhr ist es dann so weit: die Pacific High wird wieder ins Wasser gehoben. Erik bedient den Travellift und die ganze Manschaft packt mit an. Karen u. David sind auch gekommen um uns zu herzlich zu verabschieden. Wir haben über 15kn Seitenwind, kommen aber sicher aus dem engen Slot vom Travellift Dank meiner tollen Crew und allen anderen Helfern. Wir motoren gegen gut 20kn Wind zum Port Canaveral hinaus und setzen dabei das Groß. Um kurz vor elf gleich nach der ersten Boje können wir die Motoren ausschalten und segeln mit Groß und Fock im ersten Reff mit durchschnittlich 10kn die Küste hinunter (Wind aus OSO, ca. 50-60 Grad 25kn wahrer Wind / Welle ca. 3m auch aus 50-60 Grad unangenehm da sie von Osten dem Atlantik kommt und nun wenige Meilen vor der Küste zu steilen Kämmen aufbaut). Unterwegs sehen wir öfters Delfine, portugiesische Galeeren (eine auffällig hübsche und giftige Quallenart) und einmal sogar einen springenden / fliegenden großen Rochen! Ich bin von den Flugkünsten der Pelikane begeistert. Vier mal erwischen wir eine “blöde Welle” die über die ganze Pacific High schlägt und uns auch auf der Fly klitsch nass spritzt. Dank der schnellen Fahrt erreichen wir bereits um 16:30 Uhr die Einfahrt von Fort Pierce und ankern gegen 17:00 Uhr. Beim Sundowner (Cola für die Crew und einen Rum für den Captain können wir wieder  Seekühe (Manatees) beobachten. Abends koche ich Bandnudeln mit scharfer Salami / Sahne Soße und Tomaten/Mozzarella. Vor neun Uhr fallen wir Alle müde und gerädert in die Betten.

Freitag, 4.3.2011

Morgens kontrolliere ich noch die Motorölstände, repariere die Kühlwasserleitung vom Backbordmotor zum Wasserboiler (ein letzter Gruß von den “tollen” Garantiearbeiten in Fort Lauderdale) und fülle Kühlwasser nach. Um zehn Uhr gehen wir Anker auf und motoren gegen 25kn Wind zum Inlet hinaus. Ich überlege kurz ob wir uns wieder sooo einen Segeltag antuen wollen… wir wollen. Der Wind hat noch weiter auf Süd-Ost gedreht und wir bekommen Wind und Welle noch härter auf die Nase. Wir setzen wieder Groß und Fock ins erste Reff und müssen mit Motorunterstützung erst 20 min. auf’s Meer hinaus fahren um Land zu gewinnen. Wie gestern sind wir das einzige Boot wieit und breit . Wir segeln wir hart am Wind (unter 40 Grad am wahren Wind bei 25kn bis 30kn Wind = 8kn bis 10kn Speed) die Küste entlang und können ein kreuzen gerade so vermeiden. Wir haben gut 3m Welle aus 50 Grad alle 15 min. eine 4-5m Welle.  Die Wellen kommen vom weiten Atlantik und sind hier in Küstennähe steil und in kurzer Abfolge. Wenn wir dann mit knapp 10kn in diese Wand krachen ist das Schiff einige Sekunden lang in eine komplette weisse Gischtwolke eingehüllt! Die Pacific High segelt toll! Anita, Kolja und ich sitzen in dicker Segelbekleidung und angelegten Rettungswesten auf der Fly. Zwar ist mir etwas übel und Kolja auch, aber wir vertreiben trübsinnige Gedanken mit Singen (uns hört ja keiner) und machen anderen Blödsinn. Keiner von uns würde diesen Segeltag gegen einen weiteren in der Bootswerft eintauschen! Kurz vor halb fünf sind wir am Palm Beach Inlet bald darauf fällt der Anker. Abends gibt es reis mit  Paprika-Tomaten-Sahne Soße dazu einen Ceasar Salat und  frisch aufgeschnittene Paprika und Gurken.

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3.3.2011 Zurück ins Wasser

Endlich wieder immer Wasser!

Morgens um 7:00 Uhr wurde es zum letzten Male laut an der Pacific High: das Coppercoat wurde leicht angeschliffen bevor wir ins Wasser gehoben wurden. Gegen kurz nach zehn war es dann so weit: unser “zu Hause” schwamm wieder in seinem natürlichen Element dem Wasser. Noch eine herzliche Umarmung mit Karen und David und ein großes Dankeschön an Erik und alle Mitarbeiter der Scorpion’s New Port Marina, dann ging es auch schon zum hafen hinaus, wir wollten heute noch bis Fort Pierce segeln…

Eriik läßt sich die Verantwortung nicht nehmen und krant die Pacific High persönlich ins Wasser

Die Gurte noch an die richtigen Stellen geschoben….

… Kolja schießt noch ein Erinnerungsfoto…

… dann setzt sich der Travellift auch schon in Bewegung…

… und bringt unser “zu Hause” vorsichtig zum Wasser…

… fast geschafft!

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01.03.2011 Letzte Tage in der Scorpions Marina

Wir wollen Euch einige Schnappschüsse von unseren letzten Tagen in der Scorpions Marina nicht vorenthalten…

Kolja und ich sind ein paar mal Mini Golf spielen gewesen. Der Parcours ist nicht weit von der Bootswerft entfernt…

… und rund um einen See mit lebendigen Babyaligatoren angelegt. Es gibt sogar eine Bahn durch eine Höhle.

Lustiger Abend mit Ed, Karen und David (nicht auf dem Bild)

Derweil sind (fast) alle Arbeiten an der Pacific High abgeschlossen…

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24.02.2011 Space Shuttle Discovery startet ins All

Darauf haben wir lange gewartet, nun ist es so weit: das Space Shuttle Discovery soll heute gegen ca 16:50 Uhr zu ihrem letzten Flug ins All abheben. Seit Tagen gibt es hier in Cape Canaveral kein anderes Thema mehr, Alles dreht sich rund um den Shuttle Start. Wir haben lange überlegt wie, wo, was wir den Start erleben woillen: einfach nebenan bequem von der Terrasse des Club Hauses bei einem Drink, oder doch mit dem Auto an einen besseren Platz fahren und dort den ganzen Tag warten?

Gegen halb zehn Uhr Morgens knapp acht Stunden vor dem Start sind wir doch so aufgeregt, dass wir zu einer Erkundungstour mit unserem Mietwagen starten. Ganz in der Nähe haben wir durch Google Earth und Internet einen Platz ausgemacht der zwar etwas weiter Weg vom Launchpad 39a ist, aber optimale Sicht verspricht. Etliche Autos parken schon dort, man hat es sich auf Campingstühlen und Decken schon gemütlich gemacht. Wir erfahren von einigen der Wartenden das es bald voll wird und wir beschliessen kurz zum Boot zurückzufahren und Alles für ein gemütliches Picknik während dem Warten auf das Shuttle einzupacken. Gegen 10:00 Uhr sind wir mit einem vollbeladenen Kofferraum wieder zurück und finden einen Platz mit optimaler Sicht auf’s Shuttle: zwischen uns und dem Launchpad ist nur Wasser und das Shuttle steht mit seiner Vorderseite zu uns gerichtet, die Sonne haben wir im Rücken.

Also machen wir es uns gemütlich und packen die vielen Leckereien, Süßigkeiten, Getränke, Spiele und Bücher aus. Doch so ein Familienpicknik wird es dann doch nicht – dazu haben wir viel zu interessante und freundliche amerikanische Nachbarn. Rechts von uns stehen Steve und seine Freunde, sie sind 2000 Meilen (ca. 3600km) aus Tennessee angereist! Links neben uns campieren Tony und Heather, sie leben zur Hälfte in Louisiana und in Alaska (noch viel weiter weg). Beide verwickeln uns gleich in interessante Gespräche – sie interessieren sich sehr für unser Leben als Weltumsegelerfamilie und wir uns sehr für Leben als professionelle Lachsfischer in Alaska. Sie leben von Anfang Mai bis Ende September in King Salmon / Alaska (welch passender Name!) und fangen während dieser Zeit – man halte sich fest – 180.000 Pfund Wildlachs direkt aus den Flüssen neben Ihrem Haus und Lachsverarbeitungshallen. Der Ort ist wirklich total abgelegen, es gibt keine Strassen, die Kinder fliegen mit einem Wasserflugzeug zur Schule! Während wir mit verschiedensten Lachsköstlichkeiten versorgt werden erzählen sie uns mehr von Ihrem Leben und zeigen uns auch etliche Foto’s auf Ihrem Laptop: wunderschöne unberührte Natur, rauschende Flüße und natürlich Lachse, Lachse und noch einmal Lachse. Sie haben Aufnahmen von Braunbären die einfach mit offenem Maul Mitten im Fluß stehen und darauf warten, dass Ihnen ein Lachs genau hineinspringt!

Zu unseren interessanten Gesprächen gesellen sich Ihre Freunde Karen und Mike aus -wie langweilig – Florida. Mike ist Fotograf und sieht heute, ich konnte es zuerst nicht glauben, seinen 132zigsten Shuttle Start (es ist STS-133)! Er ist also unser Experte und muss dutzende dumme Fragen von uns beantworten…

Die Zeit vergeht wie im Fluge, zumal Kolja einen Freund gefunden hat mit dem er durch die Büsche streift… Der Countdown läuft, es sind nur noch 10 Minuten bis zum Start… aufgeregt gehen wir nun doch noch die zehn Meter zum kleinen Stand hinunter, obwohl man von den gemütlichen Decken vorm Auto genausogut sieht.

Mit uns warten hunderte andere aufgeregte Menschen, insgesamt sollen über 300.000 Besucher den Start verfolgt haben. Mehrere Radio’s und Funkgeräte laufen…

Es ist 16:50 Uhr, die Discovery sollte jetzt abheben, aber nichts tut sich. Sie steht unverändert auf der Startrampe, bitte jetzt keinen weiteren Startabbruch, wir haben schon sooo lange gewartet! Aus den Lausprechern wird aber weiter munter vom Start gesprochen auch wenn der Countdown: T – one minute mehrfach von neuem beginnt (wie wir erst später erfahren hatte sich ein Zentralrechner der Air Force aufgehangen und konnte erst wenige Sekunden vor dem endgültigen Startabbruch neu gebootet werden – puuuuh was für ein Glück!)…

Um exakt 4:53:24 sehen wir zuerst eine Rauchsäule – die Discovery bewegt sich immer noch nicht…

… dann verdeckt die weisse Rauch- und Staubwolke das Shuttle komplett…

… dann erst steigt die Discovery hinter ihrer eigenen Abgaswolke empor…

… was für ein Gefühl den Feuerschweif der Hauptantriebe und Boosterraketen zu sehen…

… der Feuerschweif der gewaltigen Raketen wird immer länger und mit ihm unsere Freude über diesen gelungenen Start!

Es ist nun schon einige Zeit seit dem Abheben der Discovery vergangen und ausser dem Beifall und Freudesgeschrei der Zuschauer hört man nichts…

… gut erkennen kann man wie die Discovery sich um ihre eigene Achse dreht…

… und immer weiter, immer mächtiger in den Himmel emporsteigt. Bilder können leider das wahre Schauspiel nur unzureichend wiedergeben…

… wir hören noch immer nichts. Erst 50 Sekunden nach dem Start, dachdem die Discovery bereits in den Wolken verschwunden ist, erreicht uns das Grollen und Krachen der Triebwerke.

Das ganze Spektakel hat zwar nur gut eine Minute gedauert, es war aber umso beeindruckender und mit Sicherheit jede der 420 Minuten die wir seit heute Morgen darauf gewartet hatten wert!

Wir sind alle sehr berührt von dem Ereignis, es wird geklatscht, gefeiert, Sektkorken knallen. Anita, Helena, Kolja und ich schauen Arm in Arm auf die Rauchsäule die noch lange Zeit am Himmel steht und haben alle vier den gleichen Gedanken: möge dies eine erfolgreiche Mission werden und mögen vor allen Dingen die sechs Astronauten in 11 Tagen wider gesund und wohlbehalten auf die Erde zurückkehren!

P.S. Alle Aufnahmen wurden von mir aus der freien Hand ohne Stativ geschossen. Wir waren ungefähr 9,4 Meilen = 15 km von der Startrampe entfernt.

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23.02.2011 Im Space Shuttle Fieber

Morgen soll nun doch das Space Shuttle Discovery zu seiner letzten Mission von Launch Pad 39a abheben! Nachdem wir seit mittlerweile September letzten Jahres unsere Segelplanung laufend wegen dem Shuttle Start verschieben, schöpfen wir, weniger als 24 Stunden davor, neue Hoffnung. Es ist der 133.ste Flug in den Orbit eines Space Shuttles, der 39.ste Flug der Discovery. Nachdem wir das Kennedy Space Museum besucht haben und nur wenige km vom Shuttle Start entfernt sind ist es für uns ein ganz besonderes Erlebnis diesem Start beizuwohnen. Kolja, unser Luftfahrt- und Weltraumexperte, hat uns mit seinem Shuttle Fieber angesteckt. Wir drücken der Crew der Discovery die Daumen und wünschen Ihnen einen Bilderbuchstart – aber nochmehr eine sichere Heimkehr zurück auf die Erde! Hier noch ein aktuelles Bild vom Launch Pad 39a von heute Nachmittag…

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22.02.2011 Von Tauen, Tampen und Schoten

Da liegen unsere Taue unordentlich auf dem Vorschiff und warten darauf...

Wir nutzen unseren verlängerten Aufenthalt in der Scorpions New Port Marina um all die Dinge auf der Pacific High zu erledigen die liegengebieben sind bzw. die wir seit längerem vor uns hergeschoben haben. So zum Beispiel unsere umfangreiche Sammlung an Tauen und Tampen, die bisher durcheinander in einer unser vorderen Backskisten lagen. Heute haben wir sie alle herausgeholt, auf Beschädigungen überprüft, vorhandene Scheuerstellen repariert oder herausgeschnitten, vermessen und beschriften, sauber aufgeschossen… und ab zurück in die Backskiste. Ist schon unglaublich wieviel Tauwerk da zusammenkommt: wir haben Taue in allen Stärken (2mm bis 16mm), Qualitäten (Spectra, Dynema…) und Längen (bis 120m am Stück), allein unser Großfall ist 78m lang…. Wenn wir alles aktuell in Benutzung  und in Reserve an Bord befindliche Tauwerk zusammenknoten würden kämen wir auf eine Länge von knapp 1000m = 1km!

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... ordentlich aufgeschossen wieder aufgeräumt zu werden